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«Ich teile meinen Standort oder melde mich per Telefon bei Freund:innen» Lupita, 25, erzählt


«Ich kann sie in dem Moment konfrontieren. Damit begebe ich mich jedoch vielleicht in Gefahr und das Problem ist langfristig nicht gelöst.“ Das sagt Lupita über ihre Emotionen, wenn sie mit Belästigung auf der Strasse, wie beispielsweise Catcalling, konfrontiert wird. Eine gute Reaktionsmöglichkeit gibt es ihrer Meinung nach in solchen Situationen nicht.



«Ich kann die Männer ignorieren und mich schlecht fühlen aber sie merken nicht, dass ich das jetzt unangebracht fand. Ich kann einen Spruch zurückgeben, dann bekomme ich erfahrungsgemäss einen zusätzlichen Konter der Gruppe. Ich kann sie anschreien, womit ich ihnen aufzeigen kann, dass ich das unangebracht fand, jedoch wird das Ziel (=dass das nicht mehr vorkommt) damit kaum erreicht.»

So wird sie, wie viele andere, in diesem Moment in eine passive Rolle gedrängt, in der sie nie sein wollte. Das löst eine gewisse Hilflosigkeit bei ihr aus.


"Ich teile meinen Standort oder melde mich per Telefon bei Freund:innen"

Trotzdem beschreitet die 25-Jährige ihren Heimweg mit Selbstbewusstsein. An Orten, an denen sie sich nicht sicher fühlt, weiss sie sich mit «Tricks» zu helfen. «Ich teile meinen Standort oder melde mich per Telefon bei Freund:innen», erzählt sie. Das soll aber auf keinen Fall die Lösung zum Problem sein.


So wünscht sie sich an einigen Standorten mehr Polizeipräsenz oder bessere Beleuchtung.

Ein sehr wichtiger Punkt zur Verbesserung der Lage ist ihrer Meinung nach aber das Sensibilisieren der Männer: «Es ist wichtig, mit Freunden/Kollegen das Gespräch zu suchen und ihnen zu erklären, in welchen Situationen man sich als Frau unwohl fühlt und was wir uns in solchen Situationen von Drittpersonen wünschen.»


"Es ist wichtig, mit Freunden/Kollegen das Gespräch zu suchen"

Was Lupita macht, um die Männer in ihrem Umfeld mehr zu sensibilisieren? «Ich spreche sie auf das Thema an und erkläre ihnen welche Situationen ich als unangebracht empfinde, wann und wieso ich mich dabei hilflos fühle», erklärt sie.

«Ich ermutige meine männlichen Kollegen zudem bei ihrem Freundeskreis einzugreifen, wenn Handlungen vorgenommen werden, welche für Frauen unter Umständen unangebracht oder bedrängend sein können. Das ist aber nur möglich, wenn sie wissen welche Handlungen unangenehm oder grenzüberschreitend sind.» Ein weiterer Schritt wäre es ihrer Meinung nach, dass alle Menschen lernen, in Situationen besser abschätzen zu können, ob und wann eingegriffen werden muss. «Frauen haben das aus meiner Sicht schon besser auf dem Radar.» Nur so und wenn Männer selbst brenzliche Situationen erkennen, könne man gemeinsam einen Schritt in die richtige Richtung gehen.


«...könne man gemeinsam einen Schritt in die richtige Richtung gehen»

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